Rigorosum Andreas Tijé-Dra – 24.10.2017

When:
24. Oktober 2017 @ 09:00 – 10:00
2017-10-24T09:00:00+02:00
2017-10-24T10:00:00+02:00
Where:
Seminarraum 00.147
Wetterkreuz 15
91058 Erlangen
Deutschland

Im Rahmen der mündlichen Doktorprüfung spricht Andraes Tije-Dra
zum Thema:

Zwischen „Ghetto“ und „Normalität“ – Deutungskämpfe um stigmatisierte Stadtteile in Frankreich. Eine Analyse gegenhegemonialer Raumdiskurse  am Beispiel von französischem Rap.

Die Stigmatisierung von bestimmten inner- oder randstädtischen Stadtteilen in französischen Großstädten ist seit mehr als 40 Jahren ein ungelöstes soziales und städtebauliches Problem. Internationale Beachtung erfuhren die Probleme besonders während der sogenannten Vorort-Unruhen im Jahre 2005. Viele sozialkonstruktivistische Arbeiten der kultur- und sozialgeographischen Stadtforschung untersuchten die hegemoniale – d.h. besonders erfolgreiche – Konstitution der stigmatisierten Stadtteile durch stadtpolitische oder mediale Akteure. Ins Hintertreffen gerieten hingegen Perspektiven, die eine Anfechtung von hegemonialen Raumdiskursen fokussieren, und die dort vorgebrachten alternativen Erklärungen für die Lage in den Vierteln sichtbar machen. Solche Positionierungspraktiken als „gegenhegemoniale Raumdiskurse“ am Beispiel der Konstitution von stigmatisierten Stadtteilen zu analysieren, steht im Mittelpunkt der Dissertation. Einen empirischen Zugang bieten die Diskurse der französischen Rap-Musik. Ihre Akteure beziehen sich häufig auf die Viertel. Gleichzeitig gelten sie aufgrund der weiten Verbreitung von Rap als politisierte/politisierbare Repräsentanten der Viertel. Ausgehend von diskurs- und hegemonietheoretischen Grundnahmen, präsentiert der Vortrag ein mixed-methods-approach, der makro-, meso- und mikroanalytische Materialzugänge trianguliert. Anhand von empirischen Beispielen wird aufgezeigt, wie das Hinterfragen der Stigmatisierung entlang wiederkehrender Strategien verläuft. Diese umfassen neben der „normalisierend“ wirkenden Konstitution von starken Ortsbindungen seitens der Quartiersbevölkerungen auch die direkte oder indirekte Verurteilung einer „auferlegten“ Ghettoisierung der Viertel.

Hierzu ergeht herzliche Einladung.
Prof. Dr. Georg Glasze