Konfigurierungen von ‚Islam‘ und ‚Muslimen‘ auf lokaler Ebene in Deutschland | Konfigurierungen von ‚Islam‘ und ‚Muslimen‘ auf lokaler Ebene in Deutschland – Institut für Geographie
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Konfigurierungen von ‚Islam‘ und ‚Muslimen‘ auf lokaler Ebene in Deutschland

gefördert durch die
DFG

Projektbeschreibung

Das DFG-Projekt „Konfigurierungen von ‚Islam‘ und ‚Muslimen‘ auf lokaler Ebene in Deutschland“ fragt danach, wann, wo und wie seit 1970 bis in die von der Flüchtlingszuwanderung geprägte Gegenwart „Islam“ und „Muslime“ auf lokaler und kommunaler Ebene sichtbar (gemacht), relevant und verhandelt wurden. Es analysiert, in welchen Handlungsfeldern und vermittels welcher Maßnahmen und Techniken „Islam“ lokal-spezifisch bearbeitet und bearbeitbar gemacht wird und welche Rolle dabei verschiedene „muslimische“ und „nicht-muslimische“ Positionalitäten spielen, die je verschiedentlich in gesellschaftliche Kräfteverhältnisse und Mechanismen eingebettet sind. Es geht dann in etwa um die Fragen, wer in welchen lokalen Kontexten auf welche Weise als, zu oder über  „Muslim(e)“ spricht und welche Formen und Praktiken der Interaktion zwischen „muslimischen“ Organisationen und Einzelpersonen, städtischer Politik und Verwaltung, anderen Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Akteuren relevant werden.   Mittels eines vergleichenden Ansatzes, der verschiedene kommunale Kontexte in Deutschland aufschlüsselt, sollen gerade die lokal-spezifischen Charakteristika des gesellschaftlichen und politischen Umgangs mit „Islam“ und „Muslimen“ herausgearbeitet und mit Modi der Thematisierung und Bearbeitung von „Islam“ auf anderen Maßstabsebenen (regional, national, supra-national) kontrastiert werden. Das Projekt zielt hier auf eine Forschungslücke, insofern hinsichtlich des politischen und gesellschaftlichen Umgangs mit „Islam“ und „Muslimen“ gerade die lokale und kommunale Ebene bislang eher vernachlässigt wurde.

Methodologisch konzipiert das Projekt die Vorstellung des Lokalen bzw. des Lokalräumlichen als Schnittstelle verschiedenster, je spezifisch historischer und pfadabhängiger Impulse, die die Konfigurierungen der Koexistenz unterschiedlicher Individuen und Gruppen ermöglichen und hervorbringen. Das Lokale ist dann  immer auch als ein Medium des Politischen zu denken, als Medium der Aushandlung, Normalisierung, Sedimentierung aber auch der Re-artikulation von Identitäten. Das Projekt wendet ferner verschiedene, aufeinander bezogene methodische Ansätze an. Im Zentrum stehen ethnographisch ausgerichtete „Tiefenbohrungen“ in den Städten Erlangen und Osnabrück (Kombination teilnehmender Beobachtungen, vertiefender qualitativer Interviews, Gruppeninterviews und der Auswertung lokalspezifischer Dokumente, Medienmaterialien und weiterer Texte). Zur Kontextualisierung der Fallstudien wurden zudem Telefoninterviews mit integrationspolitischen Akteuren in fast allen deutschen Großstädten durchgeführt, darüber hinaus werden Text-Korpora mit für die überlokale Ebene relevanten Dokumenten zum Umgang mit „Islam“ aufgebaut und nach Regelmäßigkeiten der Thematisierung von „Islam“ und „Muslimen“ befragt.

Projektmitarbeiter:

Prof. Dr. Georg Glasze und Jan Winkler, M.A. in Erlangen sowie  Prof. Dr. Andreas Pott, Ali Konyali, M.A. und Laura Haddad, M.A. in Osnabrück

Publikationen, die im Kontext des Projektes erschienen sind

Ergebnisse (Auswahl)

Die bisherigen Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass in vielen deutschen Großstädten interreligiöse Dialoge als integrationspolitische Instrumente aufgegriffen und neu modelliert werden. Damit verknüpft wie auch im Zusammenhang mit einer allgemein „dialogischen“ Ausrichtung islambezogener Involvierungs- und Anerkennungstechniken setzen städtische Politiken verstärkt  auf die Generierung religiösen Wissens (Wissen über verschiedene Religionen und deren Praktiken, aber bisweilen auch über deren im weitesten Sinne theologische Figuren) zur Steuerung kulturell und religiös pluraler (Stadt-)Gesellschaften.