HIV/AIDS in Botswana – Kulturen von Adhärenz und Resilienz | HIV/AIDS in Botswana – Kulturen von Adhärenz und Resilienz – Institut für Geographie
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HIV/AIDS in Botswana – Kulturen von Adhärenz und Resilienz

Projektbeschreibung

Trotz den in letzten Jahren deutlich intensivierten Maßnahmen zur Eindämmung der HIV/AIDS-Pandemie im südlichen Afrika, ist die Region nach wie vor am stärksten von HIV und AIDS betroffen. In Botswana wird für das Jahr 2009 von einer HIV-Seroprävalenz von 24,6% ausgegangen (UNAIDS 2009). Botswana ist das erste Land im sub-saharischen Afrika, welches eine kostenlose flächendeckende HIV/AIDS-Therapie für seine Bürger anbietet. In diesem Ausmaß ist das Programm weltweit einzigartig in seiner Art.

Das Projekt untersucht vor dem Hintergrund des antiretroviralen HIV/AIDS-Therapieprogramms in Botswana, welche gesellschaftlichen Bedingungen und Prozesse für die Beibehaltung einer Langzeitmedikation entscheidend sind. Der Umgang mit der AIDS-Pandemie, eine der größten gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen des südlichen Afrika, ist durch die Einführung antiretroviraler Medikationsprogramme einem grundlegenden Wandel unterworfen. Die regelmäßige Medikamenteneinnahme (Adhärenz) ist dabei die entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche Bewältigung der AIDS-Krise. Die Medikamenteneinnahme muss jedoch wirksam gesellschaftlich eingebettet und so akzeptiert sein, dass sie als erprobte Selbstverständlichkeit in den Lebensalltag integriert werden kann. Damit ist Adhärenz eng an soziale Resilienz gekoppelt. Das Vorhaben versucht, theorieorientiert und empiriegestützt die Bedingungen für die Ausbildung einer Resilienzkultur zu erfassen. Es soll geklärt werden, welche Faktoren und Prozesse Appropriations- und Resilienzhandeln fördern oder behindern. Das Vorhaben verfolgt zwei Forschungsstränge: 1. Kulturen von Resilienz und Adhärenz zu analysieren, und 2. mit metaperspektivischem Ansatz das Erklärungspotenzial verschiedener kultur- und erkenntnistheoretischer Überlegungen auszuloten und deren Mehrwert für eine entwicklungsgeographische Analyse gesundheitsrelevanter Themen abzuschätzen.

Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:

Teil 1:

  • Wie hat sich die Risikowahrnehmung von HIV/AIDS unter den sich seit der Etablierung des antiretroviralen Therapieprogramms in Botswana veränderten Bedingungen gewandelt?

  • Unter welchen Bedingungen kann eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erfolgreich in den Alltag der Betroffenen integriert werden? Welche therapeutischen „Risikoräume“ werden wahrgenommen, entworfen und gesellschaftlich ausgehandelt?

  • Welche Maßnahmen werden zur Prävention von Neuinfektionen und Therapieabbrüchen entwickelt bzw. wie wirken sie? Wie akzeptiert sind die Konventionen und Konzeptionen von Vorsorge- und Therapieprogramm vor Ort?

 Teil 2:

  • Welche theoretischen Konzepte helfen dabei die komplexen Wirklichkeiten im Gesundheitssektor angemessen zu beschreiben.

  • Wie können die vielfältigen Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen verschiedenen gesundheitsrelevanten Einflussfaktoren verstanden werden? Unterschiedliche Heilverfahren (moderne Medizin, traditionelle Medizin, religiöse Heilvorstellungen), Patientenerfahrungen, praktische Restriktionen, politische Maßnahmen etc. haben Auswirkungen auf die Dynamiken im Gesundheitssektor.

 

 

Projektteam: Fred Krüger, Klaus Geiselhart, Fabian Schlatter

 

Finanziert durch:

DFG