Klaus Geiselhart | Klaus Geiselhart – Institut für Geographie

Äthiopien - Semien Äthiopien - Semien
Klaus Geiselhart

Dr. Klaus Geiselhart

, ,

Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Geographie
Wetterkreuz 15
D-91058 Erlangen

Room: 03.079


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Publications

Peer-reviewed

Geiselhart, Klaus (2016): Resources are not everything, and what is a household? A critique of common approaches to analyzing livelihoods. In: African Geographical Review, DOI: 10.1080/19376812.2016.1235501

Geiselhart, Klaus (2016): Casting the Bones – Ambiguität und Transrationalität in kultureller und wissenschaftlicher Praxis. In: Potysch, Nicolas; Bauer, Matthias (Hrsg.): Deutungsspielräume. Mehrdeutigkeit als kulturelles Phänomen. Frankfurt a. M., 237-261

Geiselhart, Klaus (2015): Praxis ist mehr als Praktiken – Warum moderne Ärzte und spirituelle Heiler im Prinzip das Gleiche tun. In: Geographica Helvetica, 70, 205-214, doi:10.5194/gh-70-205-2015.

Geiselhart, Klaus und Matthias Stoll (2013): HIV und AIDS – eine globale Herausforderung für medizinische Episteme und Gesellschaft. In: Hygiene & Medizin. 39(9), 382–388.

Geiselhart, Klaus; Park, Martina; Orlowski, Benedikt und Fabian Schlatter (2012): Die Grounded Theory in der Geographie. Ein möglicher Weg zu Empirie und Theoriebildung nach dem Cultural Turn. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), 83–95.

Geiselhart, Klaus (2012): „Erfahrung“ wider die kulturtheoretische Weltvergessenheit. Über Performativität, Posthermeneutik, das Asemiotische und die Grenze der Differenztheorie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), 31–47.

Geiselhart, Klaus (2010): Stigma and Discrimination – An Integrative Perspective. Spatial Disparities and Their Impact on the Introduction of an Antiretroviral Therapy Scheme for HIV and AIDS Treatment in Botswana. In: Erdkunde, 64(1), 33–45.

Geiselhart, Klaus (2010): Haushaltsökonomie und Sozietät. Gemeinschaftliche Strategien und wirtschaftlicher Organisationsgrad ländlicher Haushalte in Botswana. In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 54(1), 30–45.

Geiselhart, Klaus; Krüger, Fred und Thando Gwebu (2008): Children, Adolescents, and the HIV and AIDS Pandemic: Changing Inter-generational Relationships and Intra-family Communication Patterns in Botswana. In: CYE (Children, Youth and Environment), Nr. 18(1), 99–125.

Weitere Publikationen

Geiselhart, Klaus; Fischer, Sebastian; Kuhnt, Sebastian und Bernadette Mannherz (2015): Projektbericht: Potentiale für Gesundheit im Raum Erlangen/Erlangen-Höchstadt. Von der Krankheitsprävention zur integrativen Gesundheitsförderung.

Geiselhart, Klaus; Schlatter, Fabian; Orlowski, Benedikt und Fred Krüger (2015): The Cultural Sense of Disasters. Practices and Singularities in the Context of HIV/AIDS. In: Krüger, Fred; Bankoff, Greg; Cannon, Terry; Orlowski, Benedikt und Lisa Schipper (Hrsg.): Cultures and Disasters: Understanding Cultural Framings in Disaster Risk Reduction. 123-144.

Geiselhart, Klaus (2015): The Dynamics Behind Social Identities – Stigma and Discrimination in Social Encounters. In: Nelson, B. R.: New Developments in Social Identity Research, 39–64.

Krüger, Fred; Geiselhart, Klaus und Peter Schmitz (2014): Culturally sensitive public health makes a difference: The HIV/AIDS disaster and beyond. In: IFRC (2014): World Disasters Report 2014. Focus on culture and risk. Genf, 153–183.

Geiselhart, Klaus (2014): Textbox: What is traditional healing? – WHO guidelines challenged in Botswana. In: IFRC (2014): World Disasters Report 2014. Focus on culture and risk. Genf, 163–164.

Geiselhart, Klaus (2014): Thinking Dimensionally in Social Sciences. An unconventional notion of social space for research on social topics. In: EspaceTemps. Verfügbar unter: http://www.espacestemps.net/articles/thinking-dimensionally-in-social-sciences/

Geiselhart, Klaus (2013): Ist Werlens Sozialgeographie aus praxisphilosophischer Sicht ausreichend praxistheoretisch begründet? In: EWE, 24(1), 32–34.

Antwort auf den Hauptartikel: Benno Werlen (2013): Gesellschaft und Raum: Gesellschaftliche Raumverhältnisse Grundlagen und Perspektiven einer sozialwissenschaftlichen Geographie. In: EWE 24/1, S. 3–16.

Bräuning, Achim und Klaus Geiselhart (2013): Geographie Irans. In: Ludwig Paul (Hrsg.): Handbuch Iranistik. Wiesbaden, 87–94.

Geiselhart, Klaus und Christian Steiner (2012): Pragmatistische Gedanken für die Geographie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), 5–16.

Geiselhart, Klaus und Benedikt Orlowski (2012): Pfade des Konsumentenverhaltens. Der Konsument jenseits gängiger Typologien. In: Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, 58, 347–362.

Geiselhart, Klaus (2010): Konstruktivistische Perspektiven im Spiegel der ihnen zugrunde liegenden Ideologien – eine pragmatistische Betrachtung am Beispiel geographischer Risikoforschung. In: Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, 57, 121–145.

Geiselhart, Klaus und Benedikt Orlowski (2009): Konsumverhalten und Einkaufserlebnis. Verfügbar unter: http://131.188.100.36/projects/konsum/

Diese Arbeit ist in der speziellen Form einer Webseite veröffentlicht. Alle Inhalte sind auf das Medium zugeschnitten, bis hin zum interaktiven Umgang mit den Ergebnissen.

Geiselhart, Klaus (2009): The Geography of Stigma and Discrimination. HIV and AIDS-Related Identities in Botswana. Saarbrücken. Verfügbar unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-290930

Geiselhart, Klaus (2008): Materialität und Performanz im Prozess der Regionalisierung einer Dorfidentität. Die Büchenbacher Kirchweih. Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. 55, 59–80.

Geiselhart, Klaus und Fred Krüger (2007): Die HIV-/AIDS-Krise – Botswanas strategische Antwort als Vorbild? Geographische Rundschau, 59(2), 54–61.

Geiselhart, Klaus (2006) Stigma, Support Initiatives and the “Directors’ Dilemma“. Verfügbar unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-8494

Geiselhart, Klaus (2003): Realität – Virtualität – Zukunft. In: Goetz Schmedes & Hans-Ulrich Werner (Hg.): VirtuReal Soundscapes Teil 1: Variationen auf Virtual Audio. Siegen, 66–76.

Krüger, Fred; Herbers, Hiltrud; Bausch, Saskia; Geiselhart, Klaus und Volker Wulff (2001): Die lautlose Tragödie. Roche-Magazin, 68, 4–22.

Radiopublikationen zu geographischen Themen

Geiselhart, Klaus (2003): We people of HIV – with this HIV thing. Leben und lieben mit HIV in Botswana. 53′, Radiofeature, Deutschlandradio Kultur 01.12.2007.

Geiselhart, Klaus (2003): Sprich doch mal Hochdeutsch. Mundartdichtung zwischen Globalisierung und Fragmentierung. 83’16, Radiofeature, Bayern2Radio 02.04.2003.

Geiselhart, Klaus (2002): Sie nennen uns San oder Buschleute. 53’30, Radiofeature, Bayern2Radio 15.09.2002.

Geiselhart, Klaus (2001): Dürre und Diamanten. 28’38, Wissenschaftsendung, Bayern2Radio 12.07.2001.

Research

Fachgebiete und Arbeitsschwerpunkte

Im Sinne einer vom philosophischen Pragmatismus inspirierten Sozialgeographie bin ich Alltagserfahrungen auf der Spur, die bisherigen wissenschaftlichen Überzeugungen oder weit verbreiteten Urteilen widersprechen. Auf diese Weise versuche ich „blinde Flecken“ unserer gesellschaftliche Praxis zu erkennen. Auf Basis pragmatistischer Erkenntnis- und Gesellschaftstheorie versuche ich Beobachtungen aus Mikrostudien zu Erkenntnismodellen zu verdichten, die Grundlage für eine Veränderung unserer gesellschaftlichen Praxis sein könnten. Dabei ist natürlich auch eine kritische Betrachtung bestehender Modelle und Konzepte essentiell.
In meiner Arbeit nimmt der Erfahrungsbegriff, wie John Dewey ihn in vielen seiner Arbeiten ausgeführt hat, eine zentrale Stellung ein. In diesem Sinne ist Erkennen nicht von Praxis zu trennen. Ohne Tun keine Erkenntnis. Erfahrung besteht immer aus drei Elementen. Einem praktischen, sich-den-Objekten-der-Welt-zuwenden, emotionalem Erleben und inteligiblem Erkennen.

Arbeitsschwerpunkte

  • Pragmatismus und Praxistheorie
  • Stigma und Diskriminierung
  • Gesundheit, Krankheit und Heilung
  • Individualisierung und Identitäten
  • Kaufverhalten und Massenkonsum
  • Geographische Entwicklungsforschung
  • Haushaltsforschung und Mikrostudies
  • Privatheit und Öffentlichkeit
  • Ästhetische Erfahrung, Medienlandschaft und Globalisierung

Regionale Schwerpunkte

  • Südliches Afrika
  • Botswana
  • Iran
  • Franken

Teaching

  • Geographische Entwicklungsforschung
  • Geographische Gesundheitsforschung
  • Stadtforschung und Urban Studies
  • Sozialgeographie
  • Wissenschaftstheorie

Alle Lehrveranstaltungen von Dr. Klaus Geiselhart finden Sie im Informationssystem der Friedrich-Alexander-Univesität Erlangen-Nürnberg – UnivIS.Informationssystem der Friedrich-Alexander-Univesität Erlangen-Nürnberg - UnivIS.

More


Pragmatismus und Geographie

2009 fand am Institut für Geographie eine Tagung statt:

Neue erkenntnistheoretische Wege geographischen Denkens – Potenziale des Pragmatismus für die Geographie

Aus dieser Tagung 2009 ist ein Themenheft entstanden:

Pragmatismus. In: Berichte zur deutschen Landeskunde. Bd. 86, H. 1, 2012

Inhalt:
Geiselhart, K.; Steiner, C. (2012): Pragmatistische Gedanken für die Geographie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 5–16.

Steiner, C. (2012): Kreative Räume. Handlungstheorie, Pragmatismus und Geographie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 17–30.

Geiselhart, K. (2012): “Erfahrung” wider die kulturtheoretische Weltvergessenheit. Über Performativität, Posthermeneutik, das Asemiotische und die Grenze der Differenztheorie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 31–47.

Kersting, P. (2012): Geomorphologie, Pragmatismus und integrative Ansätze in der Geographie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 49–65.

Berwing, S. (2012): Jenseits des Sprachkäfigs. Potenziale der Peirce’schen Semiotik für eine Foucault’sche Kulturgeographie. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 67–81.

Geiselhart, K.; Park, M.; Schlatter, F.; Orlowski, B. (2012): Die Grounded Theory in der Geographie. Ein möglicher Weg zu Empirie und Theoriebildung nach dem Cultural Turn. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 86 (1), S. 83–95.

 

Tagung:

Neue erkenntnistheoretische Wege geographischen Denkens – Potenziale des Pragmatismus für die Geographie

Ort: Institut für Geographie, Universität Erlangen-Nürnberg
Termin: 03. und 04. Dezember 2009

– unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung –

Wo liegt der Mehrwert, wenn sich Geographen mit Erkenntnistheorie beschäftigen? Diese und weitere Fragen wurden während der Tagung „Neue erkenntnistheoretische Wege geographischen Denkens – Potenziale des Pragmatismus für die Geographie“ am 3. und 04. Dezember 2009 von einer rund vierzigköpfigen Gruppe interessierter Human- und Physischer Geographen in Erlangen zwei Tage lang diskutiert.

Ziel der von Klaus Geiselhart (Erlangen) und Christian Steiner (Mainz) in Verbindung mit dem Geographie-Master-Kurs der Universität Erlangen organisierten Tagung war es dabei, zu einer kritischen Diskussion des Potenzials des bislang in der Geographie nur rudimentär rezipierten amerikanischen Pragmatismus anzuregen. Der klassische Pragmatismus geht vor allem zurück auf Charles Sanders Peirce, William James, John Dewey und George Herbert Mead und wurde später im so genannten Neopragmatismus von Hillary Putnam, Richard Rorty und John Austin weiterentwickelt. Obwohl der Pragmatismus in einigen Nachbardisziplinen der Geographie, wie der Philosophie, der Soziologie und der Pädagogik prägende Spuren hinterlassen hat, wurde er bisher in der angelsächsischen wie in der deutschen Geographie nur spärlich wahrgenommen, ja ist in weiten Teilen bisher unbekannt unter Geographen. Gleichzeitig lässt sich eine Renaissance des Pragmatismus in benachbarten Disziplinen beobachten und auch in der deutschsprachigen Geographie werden in den letzten Jahren vereinzelt geographische Arbeiten mit dezidiert pragmatischem Hintergrund sichtbar. Im Pragmatismus fußende Konzepte, wie das des Kreativen Handelns oder der Performativität, erfahren auf der fachtheoretischen Ebene immer mehr Aufmerksamkeit und ließen es als lohnen erscheinen, sich mit den Potenzialen des Pragmatismus für die Geographie näher auseinander zu setzen.

Um in die bislang wenig in der Geographie rezipierten Grundkonzeptionen des Pragmatismus etwas näher einzuführen und so eine gemeinsame Arbeitsgrundlage für die Tagung zu schaffen, war es erfreulicherweise gelungen geographieexterne Referenten für die Auftaktvorträge zu gewinnen. Der Philosoph Jens Kertscher (Darmstadt) führte in die „Grundgedanken des Pragmatismus und deren neopragmatistische Wendungen“ ein. Ihm gelang es dabei in sehr prägnanter Weise, Orientierung zu schaffen im Angebot der vielfältig ausdifferenzierten pragmatischen Ansätze. Im Zentrum der Pragmatischen Philosophie steht die Erkenntnis, dass die binären Kategorien wahr/falsch unserer Welt-Erfahrung nicht hinreichend gerecht werden. Wissen nähert sich insofern nicht einer vorexistierenden Wahrheit an, sondern stellt ein kontingentes Erklärungsmuster unserer Lebenswelt dar und entsteht abduktiv im Rahmen kreativer, alltäglicher Forschungspraktiken. Es stellt in diesem Sinne lediglich eine nahe liegende und bewährte Erklärung dar, die Menschen auf der Basis ihrer Wertesysteme und Erfahrungen entwickeln. Der Fachvortrag des Philosophen Helmut Pape (Bamberg) über „Die semiotischen Grundlagen der Erkenntnistheorie des Pragmatismus“ bot eine durchaus herausfordernde Einführung in die Sprachpragmatik von Charles Sanders Peirce während Hans-Joachim Schubert (Mönchengladbach) die Konsequenzen einer pragmatischen Perspektive für ein anderes Verständnis von Handlung skizzierte und dafür die Theorie Kreativen Handelns von Hans Joas von bekannten handlungstheoretischen Ansätzen deutlich abgrenze. Schubert gelang es dabei eindrücklich die Stärken des prozessual und auf Innovation orientierten Handlungskonzeptes des Pragmatismus gegenüber den bekannten Ansätzen zu verdeutlichen. Den Brückenschlag von den philosophischen Grundlagen hinein in die Praxis geographischen Arbeitens unternahm Ute Wardenga (Leipzig), die sich in historischer Perspektive mit den Forschungspraktiken in der klassischen Geographie und insbesondere der Geomorphologie beschäftigte. Sie enthüllte überraschende Parallelen (geomorphologischer) Forschungspraxis bei Penck und Hettner zum Grundkonzept des Erkenntnisprozesses im Pragmatismus. Die Beiträge des ersten Tages lieferten vielfältige Anregungen, um beim gemeinsamen Abendessen bis spät in den Abend die Diskussionen fortzuführen.

Den zweiten Tag eröffnete der Vortrag von Klaus Geiselhart (Erlangen) über „Erfahrung wider die kulturtheoretische Weltvergessenheit“ in dem er theoretisch-konzeptionelle Überlegungen über den Erfahrungsbegriff bei Dewey mit der Vorstellungen eines empirischen Forschungsprojektes zum Konsumverhalten und Einkaufserlebnis bei Studierenden kombinierte und insbesondere auch für die innovative Publikationsform der Studie im Internet Lob erntete. Jonathan Everts (Bayreuth) thematisierte mit seinem Vortrag die Rolle von Emotionen und insbesondere von Angst, die er als eine Art der Bedeutungszuschreibung im reflexiven Verhältnis von Menschen zu ihrer Lebenswelt auffasste. Emotionen tragen so dazu bei, über ihren Einfluss auf alltägliche Praktiken geographische Wirklichkeiten zu produzieren. Christian Steiner (Mainz) thematisierte die Grenzen eines utilitaristischen Handlungskonzeptes in den Wirtschaftswissenschaften am Beispiel der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise und diskutierte, welche Konsequenzen und Potenziale die Hinwendung zu einer pragmatischen Perspektive und dem Modell Kreativen Handelns für wirtschaftswissenschaftliches Arbeiten implizieren würde. Eine „Peirce-pektive auf die Wissenschaftssprache vom Raum“ stellt Stefan Berwing (Mannheim) vor und versucht so mit Hilfe sprachpragmatischer Ansätze die Verwendung des Raumbegriffs im Kontext des Entdeckungszusammenhangs geographischer Forschung näher zu fassen, gleichsam eine „Culture of Geography“ aufzuzeigen. Den Bogen zum geographischen Auftaktvortrag von Ute Wardenga schlug schließlich Philippe Kersting (Mainz) mit einer Reflektion über integrative Ansätze in der Geographie aus einer kulturtheoretisch und pragmatisch informierten geomorphologischen Perspektive.

Anstatt der üblichen Abschlussdiskussion hatten die Organisatoren Peter Weichhart (Wien) und Heiner Dürr (Bochum) gebeten die Tagung inhaltlich jeweils mit einem persönlichen Fazit der Tagung und mit ihrer individuellen Einschätzung möglicher Potenziale des Pragmatismus für die Geographie zu beschließen. Beide strichen zunächst die angenehme und intensive Atmosphäre der Tagung heraus, die einen äußerst produktiven Gedankenaustausch auf hohem Niveau zur Folge hatte. Dies sei auch durch die engagierte und offene Mitarbeit der Teilnehmer, wie durch die großzügig angesetzten Diskussionszeiten ermöglicht worden.

Peter Weichhart hob besonders hervor, dass der Pragmatismus, wie sich im Verlauf der Tagung gezeigt habe, offenbar als Hintergrundtheorie zahlreicher Fachtheorien bereits in die Geographie eingesickert sei, ohne dass dies weithin bekannt sei. Eine explizite Beschäftigung mit dem Pragmatismus erscheine für eine Schärfung des eigenen Standpunktes daher lohnenswert, um eine nachholende Theoretisierung der fachtheoretisch orientierten geographischen Praxis zu erreichen. Eine Stärke des Pragmatismus liege dabei in der Erhöhung der Sensibilität für die Kontextualität des Forschungsprozesses und den prozessualen und performativen Charakter der Wirklichkeitsproduktion. Er bringe als Konsequenz die Aufhebung von Polarisierungen und Dichotomien mit sich, die mittels ihrer sprachlichen Konstitution als quasi-natürliche Unterscheidungen wahrgenommen werden und so unsere Denkmöglichkeiten begrenzten. Für Weichhart bietet der Pragmatismus darüber hinaus gerade für einen sozialkonstruktivistischen Zugang zur lebenspraktischen Realität von Materialität einen möglichen und vielversprechenden Ansatz. Der Pragmatismus sei insofern als Beitrag zu einem theoretisch-perspektivischen Pluralismus zu begrüßen, plädiere er doch sogar für die Verabschiedung von einem Vereinheitlichungsidealismus und öffne so das Feld für mannigfaltige Zugänge zu den Geographien unserer Lebenswelt.

Auch Heiner Dürr unterstrich in seinem Fazit der Tagung das große metatheoretische Potenzial des Pragmatismus für die Konzeptionalisierung von Pluralität und eine nachholende Theoretisierung geographischer Forschungspraxis. Sowohl Peter Weichhart wie auch Heiner Dürr wiesen jedoch auch darauf hin, dass angesichts der stark konzeptionell ausgerichteten Vorträge der Tagung die Frage noch weitgehend offen geblieben wäre, wie pragmatistische Ansätze in konkrete empirische Forschungsfragen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zu integrieren und zu operationalisieren seinen – ein Punkt der für die weitere Fruchtbarmachung des Pragmatismus für die Geographie sicherlich eine der zukünftigen Hauptaufgaben darstellt. Dass die Beschäftigung mit dem Pragmatismus jedoch in besonderem Maße und zuallererst ein zutiefst emanzipatorisches Erkenntnisinteresse bedient und insofern durchaus quer zu den aktuellen wissenschaftspolitischen Ausrichtungen universitärer Forschung hin auf unmittelbare Drittmitteleinwerbungsfähigkeit und Publikationsorientierung liegt wurde von beiden Rednern positiv hervorgehoben und insbesondere von Heiner Dürr mit der Aufforderung an die Vortragenden verbunden, auf ihrem Weg weiterzumachen.

Ganz im Sinne des klassischen Pragmatismus schloss die Tagung damit sowohl mit einem befriedigenden Gefühl wie auch mit ungeklärten Fragen, die Anlass zu neuen Forschungspraktiken liefern dürften. Diese zu adressieren musste diesmal jedoch Aufgabe an eine mögliche Fortsetzung der Tagung in der Zukunft bleiben.

– Dieser Tagungsbereicht ist gleichlautend im Rundbrief Geographie, Heft 223 März 2010 erschienen –

Dateien zum Herunterladen:

CfP_Pragmatismus_090331

Einladung_Pragmatismus_Dez09